Länderspiegel

Kampf gegen hohe Inzidenz-Werte

Erst war es der Präzedenzfall in Tirschenreuth, nun steht das Berchtesgadener Land im Blick: Für die Verhängung eines regionalen Lockdown gibt es in Bayern keine festen Kriterien.



München. - "Es gibt dafür keinen Automatismus", erklärte Staatskanzleiminister Florian Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Die Anordnung eines regionalen Lockdown sei nicht an bestimmte Inzidenzwerte gekoppelt und bleibe eine "Abwägungungsfrage". Daran habe sich seit dem Präzedenzfall im Landkreis Tirschenreuth im März nichts geändert. Dort sei es seinerzeit gelungen, mit konsequenten Kontaktsperren eine unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus zu beenden. "Kontakte sind Futter für das Virus, deshalb müssen sie bei hohen Inzidenzien beschränkt werden", sagte Herrmann.

Nach seiner Einschätzung ist ein regionaler Lockdown vor allem bei einem diffusen, nicht eingrenzbaren Ausbruchsgeschehen bei gleichzeitig hohen Fallzahlen binnen kurzer Zeit angemessen. Aus diesem Grund halte der Ministerrat die am Montag im Landkreis Berchtesgadener Land beschlossenen Maßnahmen für "richtig und notwendig". Dort wurden Schulen und Restaurants geschlossen, die Bürger dürfen ihre Wohnungen nur zum Einkaufen, für Arztbesuche und für den Weg zur Arbeit verlassen. Regionale Lockdowns seien dann sinnvoll, "wenn der Eindruck entsteht, die Sache läuft aus dem Ruder", sagte Herrmann. Ziel müsse sein, eine flächendeckende, über die Region hinausgehende Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Herrmann bezeichnete die Corona-Lage auch in Bayern "nach wie vor stark besorgniserregend". Das Landesamt für Gesundheit meldete am Dienstag 1166 Neuinfektionen. Damit stieg der Sieben-Tages-Inzidenzwert an Neuinfektionen je 100 000 Einwohner mit 51,7 landesweit erstmals seit dem Frühjahr wieder über die kritische Marke von 50. Besonders betroffen ist Oberbayern (64), in Oberfranken ist die Situation mit 24,1 noch am günstigsten. Die Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte mit einer Inzidenz über dem Signalwert von 35 erhöhte sich auf 29, die mit einer Inzidenz über dem Warnwert von 50 auf 28. Das Landesamt registrierte dazu sieben Corona-Tote an einem Tag. Foto: Peter Kneffel/dpa

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Jürgen Umlauft
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Veröffentlicht am:
20. 10. 2020
20:34 Uhr

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Jürgen Umlauft

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20. 10. 2020
20:34 Uhr