Selb

Sie sind "die Letzten ihrer Art"

Vier virtuose Musiker mit allerlei wilden Geschichten und viel guter Laune: Die Combo Gankino Circus bringt das Publikum mit ihrem Bühnenprogramm zum Lachen und Staunen.



Es ist viel mehr als Musik, was das Quartett auf die Bühne bringt: Die Musiker wissen, wie sie ihr Publikum bei Laune halten können. Foto: Silke Meier
Es ist viel mehr als Musik, was das Quartett auf die Bühne bringt: Die Musiker wissen, wie sie ihr Publikum bei Laune halten können. Foto: Silke Meier  

Selb - In Dietenhofen sagt man samstagabends "Servusla". Im Rosenthal-Theater in Selb passt das nicht, plaudert Gitarrist Ralf Wieland mit Simon Schorndanner, Klarinettist, Saxofonist, Sänger, Tänzer und Arztsohn in Dietenhofen. "Hier ist es nicht wie Bierzelt oder Wirtshaus, hier ist es schon gehobener", stellen die vier fränkischen Musiker und Kabarettisten fest -"Eine Basis, auf der man aufbauen kann." Mit in der Combo von "Gankino Circus" spielt Maximilian Eder auf dem Akkordeon und dem "Bonophon", einem Hängexylophon. Darauf soll zu Ehren von Weizen-Charly ein Requiem gespielt werden.

Aber der Reihe nach: Johannes Sens, Schlagzeuger und Percussion-Perfektionist in seidengrüner Kappa-Jogginganzugjacke mit Reißverschluss, hatte in der Jugend in den umliegenden Dörfern ein paar Liebschaften. Die zu koordinieren, gestaltete sich schwierig. Peinlich war es den Freunden aus der Volksschule, als Marie ein Gedicht schrieb und auf den Stammtisch legte, im rosa Briefumschlag mit Herzchen. Treffpunkt der jungen Dietenhoferner war das Wirtshaus "Zur heiligen Gans". Die Legenden der Jugend und andere Geschichten erzählen die vier Helden und Virtuosen im Bühnenprogramm "Die Letzten ihrer Art".

Wirt in der "Gans" war besagter Weizen-Charly, eine charakterstarke "Drecksau", die einen geregelten Lebensablauf hatte. Jeden Tag schlief er abends auf dem Weizen-Glas ein, bis er eines Tages in einer Lache von Rest-Bier ertrank. Nach seinem Tod wurde Charly würdig verabschiedet, musikalisch auf besagtem Bonophon. Nach dem Ableben vom "Wunder von Dietenhofen" ziehen die vier Jungs weiter in die nächste Kneipe, zum Griechen "Waskostdas". Die weißen Marmorsäulen inspirieren die Landjugend von Dietenhofen. Die typisch griechische Musik spielt Wieland mit der Bohrmaschine auf der Gitarre. In Griechenland wurde der Sirtaki in den 60er-Jahren an nur einem Tag und mit Bohrmaschine aufgenommen.

Nach der Pause erklären die selbsternannten "Weltkulturerbeanwärter" den Bandnamen: Gankino, das sei ein bulgarischer Volkstanz im Elf-Achtel-Takt. Den Wettbewerb im Publikum, weltbekannte Stücke im Elf-Achtel-Takt zu erkennen, gewinnt Sandra Goldner. Der Preis: Eine CD. Schlussendlich feiern "Die Letzten ihrer Art" eine fränkische Rock’n’Roll-Session. Ein bisschen wie in Memphis muss es gewesen sein, damals, als der Großvater von Simon Schorndanner in der "Heiligen Gans" den Blues entdeckte.

Das Publikum im Theater-Saal steht und klatscht und tanzt. Geniale Stimmung bringen die vier Virtuosen mit den Provinzpossen, Dorfgeschichten und ehrlicher, handgemachter, professioneller Musik ins große Haus. Zum Abschied des äußerst unterhaltsamen Konzertkabaretts erklingt "Kein schöner Land", und die Künstler gehen von der Bühne, von reichlich Applaus des Publikums begleitet.

Autor

Silke Meier
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Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
16:14 Uhr

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Silke Meier

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Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
16:14 Uhr