Wirtschaft

Masken als lohnendes Geschäftsmodell?

In der Corona-Krise entdecken viele Firmen neue Geschäftsfelder - etwa das Herstellen von Schutzmasken. Aber der Textilverband sieht keine Marktlücke mehr.



Die Corona-Krise als Treiber für neue Geschäftsfelder - immer mehr Unternehmen stellen Schutzmasken her. Foto: Britta Pedersen/dpa
Die Corona-Krise als Treiber für neue Geschäftsfelder - immer mehr Unternehmen stellen Schutzmasken her. Foto: Britta Pedersen/dpa  

Schöneck - Der Unterhaltungselektronik-Hersteller Technisat mit Hauptsitz in Daun (Rheinland-Pfalz) hat in der Corona-Krise ein neues Geschäftsfeld entdeckt. Künftig will das Unternehmen an seinem Standort in Schöneck (Vogtland) auch Schutzmasken produzieren. "Ziel ist es, am Tag 450 000 Masken herzustellen", sagte Geschäftsführer Stefan Kön. Derzeit werden insgesamt sieben Maschinen für die Produktion installiert, die nach dem Hochfahren im Drei-Schicht-Betrieb laufen sollen. Im November soll dann die maximale Auslastung erreicht sein. Rund 40 Mitarbeiter will das Unternehmen zusätzlich einstellen.

"Schutzmasken sind ein Thema, das uns sicher die nächsten Jahre begleitet", so Kön. Die Corona-Pandemie und der weltweite Engpass an Schutzmasken habe gezeigt, wie wichtig es ist, nicht von Importen abhängig zu sein. Auch das Spezial-vlies, das Viren und Bakterien aus der Luft filtert, wird eine Technisat-Schwesterfirma in der Eifel daher künftig selbst herstellen. Rund vier Millionen Euro hat das Unternehmen in den Aufbau des neuen Geschäftszweiges investiert.

Laut Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (VTI) haben zahlreiche Unternehmen nach Beginn der Corona-Pandemie Schutzmasken angeboten und dafür ihre Produktion erweitert oder umgestellt. "Diese waren stark nachgefragt, solange die seinerzeit unterbrochenen Lieferungen mit asiatischen Billigprodukten ausblieben", sagte VTI-Geschäftsführer Jenz Otto. Mittlerweile gebe es gerade bei Alltagsmasken aber keine Marktlücke mehr. "Es sei denn, es handelt sich um eine bahnbrechende Innovation."

Bei Technisat gibt man sich dennoch optimistisch, genügend Abnehmer zu finden. "Wir gehen davon aus, dass künftig auch in der Industrie, Krankenhäusern und vielen anderen Bereichen auch weiterhin Masken gebraucht werden, selbst wenn die Pandemie eingedämmt wird", sagte Kön. Zunächst sollen in Schöneck Alltagsmasken produziert werden. Die Maschinen seien aber so ausgelegt, dass sich damit auch Ventile einbauen lassen, damit die Masken in der Industrie für Lackier- oder Schweißarbeiten genutzt werden können. Kerngeschäft von Technisat ist eigentlich die Herstellung von TV-Geräten, Digitalradios und Receivern zum Empfang von Radio- und Fernsehprogrammen.

Derzeit produzieren in Ostdeutschland laut VTI rund 40 Unternehmen Gesundheits- und Schutztextilien - darunter mehrere Zulieferer. Die Corona-Krise habe allen Verantwortlichen deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Produktion solcher Sortimente im eigenen Land sei, betonte Otto. Am Donnerstag treffen sich die Verbandsmitglieder in Crimmitschau, um unter anderem über die Branchensituation zu diskutieren. Von den rund 16 000 Beschäftigten in der Textilbranche in Ostdeutschland sind 12 000 in Sachsen und 2500 in Thüringen tätig.

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Christiane Raatz
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Veröffentlicht am:
23. 09. 2020
00:00 Uhr

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Christiane Raatz

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23. 09. 2020
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