Wunsiedel

Corona-Tote und Menigokokken-Infektion

Zwei Rentner sterben im Kreis Wunsiedel an Covid- 19, doch damit nicht genug: Ein Vierjähriger aus dem Fichtelgebirge leidet nun auch noch an einer Meningokokken-Infektion.



Wenn das eigene Kind Kontakt zu dem kleinen Jungen hatte, der nun an einer Meningokokken-Infektion erkrankt ist, sollten die Eltern zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen, empfiehlt das Wunsiedler Gesundheitsamt. Symbolfoto: Andrea Warwecke, dpa
Wenn das eigene Kind Kontakt zu dem kleinen Jungen hatte, der nun an einer Meningokokken-Infektion erkrankt ist, sollten die Eltern zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen, empfiehlt das Wunsiedler Gesundheitsamt. Symbolfoto: Andrea Warwecke, dpa  

Wunsiedel - Das Corona-Virus fordert weitere Todesopfer, außerdem erschüttert zusätzlich eine gefährliche Bakterien-Erkrankung das Fichtelgebirge. Ein 73 Jahre alter Mann ohne bekannte Vorerkrankungen sowie ein 74 alter Jahre Mann mit Vorerkrankungen sind im Landkreis Wunsiedel an den Folgen ihrer Corona-Infektion gestorben. Das hat das Landratsamt am Montag mitgeteilt. Damit verloren bisher im Landkreis insgesamt 45 Bewohner durch die Pandemie ihr Leben.

Außerdem ist nun noch ein Vierjähriger aus dem Kreis Wunsiedel an einer Meningokokken-Infektion erkrankt. Bekanntlich können diese Bakterien schwere Krankheiten wie Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen auslösen. Der Fall sei dem Gesundheitsamt am Montag gemeldet worden, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Weitere Erkrankungsfälle seien bislang im Fichtelgebirge nicht bekannt.

Weil der Junge eine Kindertagesstätte besucht, hat das Gesundheitsamt umgehend alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet. Alle betroffenen Familien wurden informiert und aufgefordert, sich mit ihren Kindern in medizinische Beratung zu begeben. "Konkret wird allen, die in der vergangenen Woche Kontakt zu dem erkrankten Kind hatten, empfohlen, unbedingt einen Arzt aufzusuchen und mit ihm die Notwendigkeit einer vorsorglichen Einnahme von Antibiotika abzuklären", heißt es in der Mitteilung. Damit folge das Gesundheitsamt den Hinweisen des Robert-Koch-Institutes und der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin sowie internationalen Expertengremien.

Meningokokken-Bakterien übertrügen sich durch Tröpfcheninfektion, etwa beim Sprechen und Anhusten, informiert das Landratsamt. "Grundsätzlich sind Sekrete des Nasen-Rachen-Raumes und Speichel infektiös, sodass die Erreger zum Beispiel auch beim Küssen übertragen werden könnten", warnt die Behörde. Da die Bakterien außerhalb des Körpers nur kurze Zeit überlebten, sei ein enger Kontakt zum Kranken oder einem Keimträger erforderlich. Ein Zusammentreffen von Menschen ohne engen Kontakt führe im Normalfall nicht zu einer Ansteckung. Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit betrage meist zwei bis sieben Tage.

Neben diesen Besorgnis erregenden Negativ-Meldungen scheint sich zumindest die Corona-Pandemie in Nagel nicht weiter auszubreiten. Hier gibt es derzeit ungewöhnlich viele Infizierte. Zwölf aktuell an Covid-19 Erkrankte meldete das Landratsamt in Nagel am Freitag; immerhin hat sich diese ungewöhnlich hohe Zahl bis zum Montag etwas reduziert: Dem jüngsten Corona-Fallzahlen-Bericht zufolge sind keine weiteren Krankheitsfälle hinzugekommen, sondern die Zahl hat sich um drei auf neun Infizierte verringert.

Warum es ausgerechnet in Nagel so viele Corona-Fälle gibt, darüber möchte die Medienreferentin des Landkreises, Anke Rieß-Fähnrich, nach Absprache mit den Verantwortlichen des Gesundheitsamtes keine Auskunft geben. "Wenn wir etwas dazu sagen würden, ließe das Rückschlüsse auf Einzelpersonen zu: Genau das möchten wir vermeiden", sagt Rieß-Fähnrich. Rund 100 Kontaktpersonen der aktuell in Nagel Infizierten seien bereits ermittelt, in Quarantäne geschickt und getestet worden. "Der Rücklauf ist da - dieser Kreis ist geschlossen", sagt Rieß-Fähnrich. Nach wie vor sei es in der Spitze bei den bekannten zwölf Fällen geblieben. "Hier gibt es keine offenen Fragen mehr", sagt Rieß-Fähnrich. "Aber man weiß nie, ob und wo erneut etwas auftaucht."

Aktuell sind im Landkreis Wunsiedel laut dem Corona-Update von Montagabend nur noch 26 Personen erkrankt, am Vortag waren es noch 34. Bereits genesen sind inzwischen 727 Personen. Seit Beginn der Pandemie sind nach Informationen des Landratsamtes 798 Personen positiv auf das Virus getestet worden.

Während im Landkreis Wunsiedel also die Zahl der Infizierten gesunken ist, steigt sie im Nachbarlandkreis Tirschenreuth weiter: Seit Freitag seien zehn neue Fälle zu verzeichnen, teilt das Landratsamt Tirschenreuth mit. Fünf dieser Fälle beträfen immerhin Personen, die bereits unter Quarantäne standen, weil sie Kontakt zu Infizierten hatten. Aufgrund eines positiven Falles befinde sich auch eine elfte Klasse der Berufsschule Wiesau bis einschließlich 20. Oktober unter Quarantäne.

Wie berichtet, hat der Landkreis Tirschenreuth am Wochenende den sogenannten Corona-Warnwert überschritten. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner liegt aktuell bei 44,4. Daher dürfen sich bei privaten Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen maximal 50 Menschen treffen. Das Landratsamt Tirschenreuth empfiehlt weiter, Feiern in Privaträumen auf 25 Teilnehmer zu begrenzen. Bri Gsch

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Veröffentlicht am:
12. 10. 2020
18:28 Uhr

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12. 10. 2020
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