Wunsiedel

Das JuKu-Mobil lässt sich nicht ausbremsen

Stefan Frank bietet Workshops nun online an. Künstler aus dem Fichtelgebirge gehen dabei mit ihm kreative Wege.



Die Künstler Leo Kunz, Stephanie Huber und Annette Hähnlein sowie JuKu-Mobil-Leiter Stefan Frank (unten) am Gerüst um den Kirschbaum. Foto: Peter Pirner
Die Künstler Leo Kunz, Stephanie Huber und Annette Hähnlein sowie JuKu-Mobil-Leiter Stefan Frank (unten) am Gerüst um den Kirschbaum. Foto: Peter Pirner  

Wunsiedel - Die Zeit ist nicht einfach für das JuKu-Mobil. Die mobile Jugendkunstschule will jedoch den Zugang zu kultureller Bildung im Kreis Wunsiedel erleichtern. Dafür tourt Projektleiter Stefan Frank mit jeweils einer Künstlerin oder einem Künstler in die Orte und bietet kunst- und kulturpädagogische Programme an.

Die Online-Angebote des JuKu-Mobils

Der erste Workshop ist ein dreiteiliger Kurs zum Thema "Gesichter und Ausdruck" von Annette Hähnlein. Die Reihe für sieben- bis elfjährige Kinder findet am morgigen Dienstag, 26. Mai, am 2. und am 9. Juni jeweils von 16.30 bis 18 Uhr statt. Für die Altersgruppe ab zwölf Jahren gibt es die Termine 27. Mai, 3. und 10. Juni, ebenfalls von 16.30 bis 18 Uhr. Der zweite Workshop mit Stephanie Huber findet ab dem 16. beziehungsweise 17. Juni statt.

Wie alle Angebote des JuKu-Mobils sind auch die Online-Workshops kostenlos. Sie werden vom Programm "Künste öffnen Welten" der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) gefördert. Die BKJ ist Programmpartner des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung."

Eine Anmeldung zu den Online-Workshops ist allerdings erwünscht. Der Zugang zur Videokonferenz erfolgt dann online über die Homepage www.juku-mobil.de. Es ist, wie die Veranstalter mitteilen, besonders beim ersten Mal ratsam, sich einige Minuten vor dem offiziellen Beginn in das verwendete Programm Zoom einzuloggen.

 

Im bekannten Kleinbus, dem JuKu-Mobil, bringt er die vielfältigen Materialien für die Kinder und Jugendlichen mit. Das Projekt startete im Januar 2019 und führte bis in den Spätherbst hinein zahlreiche Workshops durch. Nach der Winterpause sollte es Ende März wieder richtig losgehen - doch die Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie haben das Projekt erstmal ausgebremst.

 

Allerdings nicht lange. Frank und seine Mitstreiter besannen sich auf ihre eigenen Stärken als Kunst- und Kulturschaffende: Kreativität, Umgang mit dem Neuem oder mit dem Scheitern, Situationen aus einem anderen Blickwinkel sehen. Das sind sie gewohnt, das zeichnet ihre Arbeit aus. "Was tun?", dachte sich Stefan Frank. "Digital und online muss es derzeit jedenfalls sein." Das Neue soll sich am Anspruch des Bisherigen orientieren: "Aktive Beteiligung ist online genauso wichtig wie vor Ort."

"Die Kinder sollen aus den Gegebenheiten mit eigenen Ideen etwas machen, kreativ sein und sich selbst entfalten, nicht etwas Vorgegebenes nachmachen", sagt Annette Hähnlein. Sie ist Künstlerin und Bildhauerin, Kunsttherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, und sie verbindet diese Bereiche sowohl in ihrem Atelier "Kunst & Gesundheit" in Bibersbach als auch bei Schulen, sozialen Einrichtungen und im Städtebau.

Sie beginnt die Workshop-Reihe am morgigen Dienstag mit ihrem dreiteiligen Kurs "Gesichter und Ausdruck". Er wird sowohl für sieben- bis elfjährige Kinder als auch für die Altersgruppe ab zwölf Jahren angeboten. Mit Bleistift und Farben experimentiert Hähnlein zusammen mit den Teilnehmern mit verschiedenen Gefühlen und Ausdrucksweisen. Im weiteren Verlauf soll eine Skulptur aus Pappe entstehen.

Stephanie Huber aus Hildenbach ist Diplom-Forstingenieurin und freiberufliche Künstlerin. Holz war schon immer ihr Lebensmaterial, daher wird sich ihr Workshop um das dreidimensionale Gestalten von Holz drehen. "Ich habe schon Ideen, wie ich das online umsetzen werde. Denn ich kann ja nicht - wie bei meinen Kursen für Erwachsene - mit der Motorsäge am Baumstamm arbeiten lassen. Vielleicht spielen ja Gurken und Karotten eine Hauptrolle", grinst sie verschmitzt. Bevor ihr Kurs startet, wird es am 4. Juni um 17.30 Uhr per Video einen Atelierbesuch bei ihr geben. Dabei will sie die Bandbreite ihrer Arbeit zeigen. Bestimmt kann man auch einen Blick auf den Stamm des abgestorbenen Kirschbaums in ihrem Garten werfen. Den verziert Stephanie Huber derzeit mit Blüten, Früchten und Blättern - ganz klar, ihr Arbeitsgerät dabei ist die Motorsäge.

Dritter im Bunde ist Leonhard "Leo" Kunz aus Schönlind bei Wunsiedel. Der Künstler arbeitet mit allen Sinnen und Medien, um seine Kunst auszudrücken. Und da gibt es einige Varianten: Er studierte bildende Kunst, ist Holzbildhauer, arbeitet mit Keramik, emailliert selbst und lernt aktuell im kleinen Atelierbetrieb "Kunststueck" seiner Freundin Claudia Grohmann das Goldschmieden. Er verrät noch nicht, womit sich sein Workshop befassen wird. Sein Motto ist jedoch: Kunst ist oft Resultat eines Balance-Akts zwischen der Freiheit der Gedanken und dem Mut, diese zu riskieren. Man kann also darauf gespannt sein, was Leo anbieten wird: "Ich will Kindern Anreize geben, dass ihre eigene Kreativität bei der Beschäftigung mit einfachen Mitteln ins Rollen kommt."

Im Gespräch mit den drei Künstlern wird deutlich: Es geht ihnen zum einen um das Material, um die Technik und um das Handwerk. Zum anderen ist für sie das Erleben wichtig, also mit dem Material umzugehen, es anzufassen, es zu fühlen, zu riechen, zu sehen und zu verwandeln. Dazu kommt Stefan Frank mit seinem Ziel: "Kinder und Jugendliche sollen selbstbewusst mit neuen Situationen und Herausforderungen umgehen können." Selbstwirksamkeit und kreatives Selbstbewusstsein sind für ihn wichtige Eigenschaften in der Gesellschaft.

Online-Kurse bietet Frank bereits seit den Osterferien an. Die Erfahrungen daraus sind in das neue Programm eingeflossen. "Wir sind Lernende und Forschende", sagt er. "Vielleicht klappt bei den Workshops nicht alles wie geplant, aber ich bin mir sicher, dass wir einen Mehrwert erzielen." Er freut sich sehr darüber, dass sich die Künstler auf dieses neue Format einlassen.

Weitere Workshops und neue Künstler sollen hinzukommen. Denn auch nach den Corona-Beschränkungen will Stefan Frank das Beste aus dem Online-Angebot beibehalten: "Ich kann mir gut eine Kopplung von Präsenz- und Online-Workshops vorstellen. Dann können wir auch die Kinder miteinbeziehen, die wir bisher vor Ort nicht erreicht haben."

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Peter Pirner
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Veröffentlicht am:
24. 05. 2020
15:32 Uhr

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Peter Pirner

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Veröffentlicht am:
24. 05. 2020
15:32 Uhr