Lokalsport

Marktredwitz auf Wolke sieben

Die VGF zwingt im Spitzenspiel auch Grafing in die Knie. Sie führt die Tabelle der Volleyball- Regionalliga souverän an und erfährt hohes Lob.



Janek Lindner (rechts) von der VGF Marktredwitz hat auch hier die Hoheit am Netz gegen die Grafinger Sebastian Held (links) und Luis Wieser.	Foto: Perzl
Janek Lindner (rechts) von der VGF Marktredwitz hat auch hier die Hoheit am Netz gegen die Grafinger Sebastian Held (links) und Luis Wieser. Foto: Perzl  

VGF Marktredwitz: Ja. Liebscher, Kust, Soderer, Schwinger, Ja. Lindner, Zakovsky, Wenisch, Jo. Liebscher, Weber, Benkert, Jo. Lindner.

Schiedsrichter: Hübner (Schwend), Karg (Neustadt/Waldnaab). - Zuschauer: 330. - Sätze: 25:19, 25:17, 26:24. - Spielzeit: 66 (20/20/26) Minuten.

Fünf Spiele, fünf Siege und davon vier zu Null - die VGF Marktredwitz sorgt in der Volleyball-Regionalliga Südost weiter für Furore, ist zumindest im Moment das Maß aller Dinge. "Das war fast Zweitliga-, mindestens aber Drittliga-Niveau", schwärmte Dejan Stankovic, der Gästecoach, der vor zwei Jahren seine außergewöhnliche Karriere (DVV-Pokalsieger, Erstligaprofi in Belgien, Frankreich und Deutschland) als Spielertrainer beim TSV Unterhaching mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga beendet hatte. Der frühere serbische Nationalspieler hatte ein "tolles Spiel" gesehen und habe es trotz der Niederlage "genossen". Einziger Vorwurf an die Seinen: "Meine Jungs hatten auf einmal Angst" - wohl auch ein bisschen vor der erdrückenden Kulisse.

Nach starkem Beginn der Grafinger und 6:3-Führung zeigte der unverminderte Druck der immer selbstsicherer auftrumpfenden Hausherren endlich Wirkung. Und nach dem Ausgleich zum 10:10 gab’s kein Halten mehr, schwappte die Stimmung auf die Ränge über. Die weit über 300 Zuschauer ließen sich mitreißen von dieser Spitzenpartie und trugen so ihr Scherflein zu einer beeindruckenden Vorstellung bei. "So eine Atmosphäre findet man in der 3. Liga nicht", meinte Stankovic. Bärenstark: Petr Zakovsky im Mittelblock und Max Schwinger. "Ich habe bei Max keinen einzigen Fehler gesehen", lobte Trainer Milan Cernousek seinen Annahmespezialisten und Außenangreifer. Vor allem agiere der 29-Jährige jetzt auf einer ganz anderen Höhe als noch im Vorjahr.

Beide Akteure sind neben Paul Soderer Hauptprofiteure von den Ondrej Kusts Spielmacher-Künsten, der seine Mitspieler auch nach schwächeren Annahmen, von denen der Trainer aber nur wenige ausmachte, immer noch perfekt in Szene setzt. "Ich bin sehr zufrieden, ein starkes Spiel", meinte der VGF-Coach, der wenig Grund zum Tadeln fand. Nach dem 18:13 nahmen die Gäste bereits ihre zweite Auszeit. Gebracht freilich hat es nichts gegen eine zeitweise wie im Rausch agierende Heimmannschaft. Und nach Schwingers As zum 20:13 war der Käse so gut wie gegessen. Beim zweiten Satzball blieb der Aufschlag-Ball des Grafingers Sebastian Held an der Netzkante hängen.

Und die VGF machte ihm zweiten Durchgang da weiter, wo sie im ersten aufgehört hatte, feuerte aus vollen Rohren. Das aber weiter mit Kopf und Verstand und wie aus einem Guss. Erstaunlich, die vielen gelungenen Blocks gegen die harten Grafinger Angriffsbälle. Spätestens nach Jan Liebschers furiosem Hinterfeld-Angriff mit Aufsetzer auf der Netzkante ins Gästefeld war den Oberbayern auch im zweiten Satz der Zahn gezogen. Wieder beendete ein Aufschlag ins Netz den Durchgang, diesmal von TSV-Zuspieler Felix Broghammer.

Nicht ganz so optimal lief es im dritten für die Hausherren, als die nie aufsteckenden Grafinger aufblitzen ließen, warum sie bislang neben der VGF noch unbesiegt waren. Die Gäste bekamen plötzlich Oberwasser, setzten sich mit 6:3 und 8:5 ab, auch weil Marktredwitz nun in der Annahme wackelte, kaum mehr Bälle auf seine hungrig lauernden Außen brachte. Doch Cernouseks Truppe ist inzwischen so gefestigt, dass sie selbst kritische Phasen zu meistern versteht. Die Waage neigte sich wieder in Richtung VGF.

Bekanntlich aber bedeutet im Volleyball selbst eine klare Führung wie das 22:16 noch kein Ruhepolster. Grafing kam nah und näher und glich, obwohl die VGF bei 24:21 drei Matchbälle besaß, noch einmal aus. Am Ende war es, wie konnte es auch anders sein, Max Schwinger, der die Verantwortung übertragen bekam und das Spielgerät ins Gäste-Feld blockte. "Den letzten Ball zu verwandeln ist immer etwas besonders Schönes, vor allem wenn es eng zugeht", erklärte der Regensburger. Den Schlüssel zum Erfolg sah Kapitän Jan Liebscher darin, "dass wir geduldig geblieben sind, dabei aber weiter konsequent unsere Chancen genutzt haben - "denn die sind schon richtig gut." Cernousek spricht vom mit Abstand besten Gegner: "Wenn du denen Luft gibst, kriegst du richtig Probleme." Am Ende blieb der VGF ein vierter Durchgang mit möglicherweise ungewissem Verlauf erspart und es gab nur glückliche Gesichter, nimmt man einmal die Grafinger Fraktion aus. Nach einer Spielpause steigt am 2. November bereits das nächste Heimspiel gegen den SV Schwaig II. Für Max Schwinger im Moment gar kein Problem: "Wenn wir so weitermachen, gibt es keinen, den wir nicht schlagen können." Per.

VGF Marktredwitz -

TSV Grafing II


3:0


Autor

Ingrid Perzl
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
14:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Dejan Stankovic Milan Cernousek Spielertrainer TSV Unterhaching VGF Marktredwitz
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Den nächsten souveränen Sieg bejubeln (von links) Tom Wenisch, Max Schwinger, Janek Lindner und Paul Soderer. Archivfoto: Perzl

13.10.2019

Ein bravouröser Spitzenreiter

Die VGF Marktredwitz siegt nach bärenstarker Leistung beim Vizemeister der vergangenen Saison. Am Samstag kommt Grafing II zum Duell der letzten Ungeschlagenen. » mehr

Zufrieden sieht anders aus: Der Marktredwitzer Trainer Milan Cernousek während des misslungenen Tests beim VC Amberg. Foto: Perzl

18.09.2019

"Mehr Emotionen und keine Ausreden"

Milan Cernousek heizt eineinhalb Wochen vor dem Regionalliga-Start den Konkurrenzkampf an. Der Volleyball-Trainer erklärt, warum er künftig nur noch coachen will und ein Spitzenplatz möglich ist. » mehr

Liebevoller Papa: Joschi Liebscher nach einem Spiel seiner VGF Marktredwitz mit Töchterchen Mara. Foto: Peter Perzl

23.01.2019

"Es ist schwer, mit mir zu streiten"

Joschi Liebscher spricht über Verein, Familie, Zukunft und Gefühle. Der Abstieg mit der VGF Marktredwitz aus der 3. Volleyball-Liga tut ihm noch immer weh. » mehr

Achim Pötzl, Trainer der VG Hof: "Es geht letztlich immer um den Erfolg. Doch der bemisst sich für mich allein am Potenzial meiner Mannschaft."	Foto: Katharina Hübner

17.12.2018

Geheimnisse einer "langen Ehe"

Es gibt Trainer, die einem Verein über Jahre hinweg die Treue halten. Warum nur? Der Grund ist nicht nur im Erfolg zu suchen. » mehr

Der Selber Matchwinner: Daniel Sedlacek.	Archivbild: Michael Ott

03.11.2019

Sedlacek trifft - Selb gewinnt

Die Kickers beenden ihre Durststrecke in der Fußball-Landesliga. Sie feiern einen verdienten 2:0-Auswärtssieg beim SC Großschwarzenlohe. » mehr

So sehr sich Jan Liebscher während der Auszeiten auch ins Zeug legte, in Bayreuth konnte auch er nicht für den Umschwung sorgen. Foto: Peter Perzl

11.10.2018

"Wir brauchen Schaum vor dem Mund"

Der Volleyball-Regionalligist VGF Marktredwitz will zur Heimpremiere eine Reaktion zeigen. Der Kapitän fordert auf dem Feld einen anderen Umgangston. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eddy

Katzen aus Lichtenberg |
» 5 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor

Ingrid Perzl

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
14:52 Uhr