Sport

Schalke will Pleiten-Serie beim BVB beenden

Ausgerechnet im 157. Pflichtspielderby beim BVB hofft Schalke auf die Wende. Nach 20 Spielen ohne Sieg steht Königsblau ebenso unter Druck wie die Borussia nach dem schwachen Auftritt in Rom. Zorc verlangt eine «Reaktion» des Teams, Schalke-Coach Baum vollen Einsatz.



Manuel Baum
Schalkes Trainer Manuel Baum gibt während eines Spieles Anweisungen an seine Spieler.   Foto: Guido Kirchner/dpa

Trotz der widrigen Corona-Vorzeichen bleibt das Revierderby für die Rivalen Borussia Dortmund und Schalke 04 eines der wichtigsten Spiele des Jahres.

Ausgerechnet im 157. Pflichtspielduell am Samstag (18.30 Uhr/Sky) will das Team von Trainer Manuel Baum die Bundesliga-Pleitenserie von 20 Spielen ohne Sieg beenden und ein Signal für eine bessere Zukunft setzen. Da sich im größten Stadion der Republik wegen der Pandemie nur 300 Zuschauer verlieren werden und zudem keine Gästefans erlaubt sind, fehlt der sportlich brisantesten Partie des 5. Spieltags das übliche Prickeln.

Auf die liebgewonnenen Sticheleien und üblichen Seitenhiebe verzichten die Gegner diesmal. Denn beide Teams haben vor dem Duell genug mit sich selbst zu tun. Dem BVB machen seine Wankelmütigkeit und der schwache Start in die Champions League mit dem 1:3 bei Lazio Rom sowie eine unliebsame Torhüterdiskussion zu schaffen. Und die Königsblauen haben seit Monaten so viele Baustellen, dass der neue Coach sie so schnell gar nicht alle schließen kann.

20 Spiele in Serie ohne Erfolgserlebnis in Form von drei Punkten sprechen für sich. Gleichwohl denkt der 41 Jahre alte Baum immer positiv und will diese Grundeinstellung auch auf seine Spieler übertragen. Wie er in vielen Einzelgesprächen feststellte, ist dem verunsicherten Personal durch die Frust-Serie vor allem die Fantasie abhanden gekommen, selbst Tore zu erzielen. Dafür klingelte es im eigenen Gehäuse reichlich.

2:16 lautet die alarmierende Torbilanz nach vier Saison-Partien, auswärts gab es ein 0:8 beim FC Bayern und ein 0:4 in Leipzig. Beim Geister-Gastspiel in der Rückrunde der Vorsaison, das vor einigen Monaten bereits ohne Zuschauer stattfand, setzte es beim BVB eine 0:4-Niederlage. Genug Gründe dafür, dass in Gelsenkirchen die Angst vor einer weiteren Klatsche beim spielstarken Rivalen vorherrscht.

Dennoch verbreitet Baum nach dem «kleinen Erfolgserlebnis» beim 1:1 gegen Union Berlin Zuversicht. Zwar habe der BVB eine große individuelle Qualität. «Aber wir haben auch einiges zu bieten. Wir fahren definitiv mit der Fantasie dorthin, um etwas mitzubringen», sagte Baum vor seinem ersten Revierderby, auf das er sich besonders freut. «Bisher habe ich die Derby immer nur im Fernsehen gesehen.»

Die Hoffnung auf die Rückkehr der Verletzten Mark Uth und Suat Serder zerschlug sich allerdings. Beide Kreativ-Spieler sind noch nicht einsatzfähig. «Ich denke, unser Plan gegen Dortmund hängt nicht an einem Spieler. Natürlich fehlt mit Uth ein kreatives Element. Aber ich bin guter Dinge, dass wir seinen Ausfall kompensieren können.»

Alles andere als rund läuft es auch bei der Borussia, der es vor allem an Konstanz mangelt. Gala-Auftritten folgen zuweilen unerklärliche Rückschläge. Michael Zorc sieht die Profis nach dem müden Auftritt in Rom daher in der Bringschuld. «Wir erwarten eine Reaktion», sagte der BVB-Sportdirektor. Verbesserungsbedarf sieht Zorc vor allem in kämpferischer Hinsicht. Einen ironischen Unterton bei der Pressekonferenz am Donnerstag konnte er sich nicht verkneifen. «Wir haben in Rom vor allem im Spiel gegen den Ball die Abstandsregel vorbildlich eingehalten.»

Die Hoffnung auf die Rückkehr von Emre Can ins Team des BVB erfüllte sich nicht. Der 26 Jahre alte Defensivspieler, der wegen einer Sperre in Rom nicht dabei war, wurde am Freitag positiv auf das Coronavirus getestet, wie der BVB mitteilte. Der Nationalspieler befindet sich in häuslicher Isolation. Umso wichtiger wäre das Mitwirken von Manuel Akanji. Zudem steigt das Unverständnis, warum Favre bei der Schweizer Torhüterfrage - Marwin Hitz oder Roman Bürki - derzeit so unentschlossen wirkt.

Wenn Zorc als erfahrenster Derby-Spieler der Geschichte eines gelernt hat, ist es, dass vorangegangene Duelle keine Rolle spielen. Häufig genug nutzte das vermeintlich schlechtere Team das prestigeträchtige Treffen zur Wiederauferstehung. Und die zuvor viel höher eingeschätzte Mannschaft erlebte im Derby plötzlich einen Rückschlag, von dem sie sich wochenlang nicht mehr erholte.

Auf die Unberechenbarkeit dieser Nachbarschaftsduelle wies auch Schalkes Lizenzspieler-Koordinator Sascha Riether am Freitag in einem Interview von RTL/ntv hin: «Wir wissen, dass so Derbys ganz spezielle Spiele sind. Da kann alles passieren. Da ist egal, was vorher war oder auch nicht. Das sind manchmal wie Pokalspiele.»

© dpa-infocom, dpa:201023-99-54796/4

Veröffentlicht am:
23. 10. 2020
18:26 Uhr

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dpa

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23. 10. 2020
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